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Karl-Heinz Zimmer
21. Dezember 2017

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Reise in die Stille
(Mini-Episode aus der Steampunk-Welt »Eis & Dampf«)
 
Beitrag zum   Wettbewerb »Huhn & Dampf«  

Golden senkte die Sonne sich südlich des Alten Landes, doch unruhig blieb das Dorf. Zum Stampfen einer schweren Maschine erbebte die Luft und zaghaft erklang ein Stimmchen in der Hütte am Ortsrand:

»Liebste Nadja, gibt es Hoffnung?« Das zierliche Huhn sah auf zu Nadeshda: »Werden wir Frieden finden in dieser Welt?«

»Ach, Galinka, meine Tapfere, so oft schon fragtest du! Deine Sehnsucht nach Ruhe und Stille ... Du lebst einen Traum aus vergangener Zeit! Sieh dich doch um: Lärmender Fortschritt erreicht die hintersten Winkel des Landes. Alt und Jung greifen in taumelndem Tanz nach Neuem. Seit sie die große Dreschmaschine in die Tennscheune bauten, singen alle nur das Loblied der Dampfkraft.«

»Laut ist ihr Lied und aggressiv, wie kann ich denken bei dem Getöse! Der Himmel fast schwarz von den Wolken des Schornsteins, die Blätter der Linde mehr grau als grün!«

»Mein Herz, ich fühle wie du. Abends hörst du die Vögel nicht singen, die Grillen nicht zirpen vor Lärm. Ich wünschte, wir könnten weg von hier, doch mein Dienst als Lehrerin ernährt uns beide und die Hütte ist alles, was wir haben im Leben. Komm zu mir an's Herdfeuer, wir wollen Geschichten erzählen von früher ...«

»Ich höre jemanden im Hof, erkennst du der Stiefel Klang?«

»Andrej kommt jetzt schon zurück!!« Erfreut lief Nadeshda zur Tür, umarmte den Eintretenden und lachte.

»Ihr Lieben, die Reise verlief rascher und besser als erhofft, die Fahrt von Hamburg hierher ebenso. Bin so froh, euch wieder zu sehen! So warm ist die Stube, wie schön, wieder hier zu sein! Ich hab dich vermisst, Schwesterherz, und dich auch, du klügste aller Hennen!« Froh sah er sie an, nahm den Tornister ab und zog Stiefel und Jacke aus. Mit leuchtenden Augen saßen sie sich gegenüber.

»Wie ist's dir ergangen, erzähle!« griff Nadja nach seinen Händen: »Die Fahrt für die Lufthanse, was habt ihr erlebt, wo wart ihr?«

»Oh Schwester, welch ein Abenteuer! Nie hätt' ich gedacht, dass wir so weit reisen: Vom Hamburger Lufthafen trugen die schnellen Schiffe uns weit nach Osten, dann südostwärts über fast vergessene Länder. Meine Stunden auf Wache verliefen meist friedlich, nur selten ein Luftpirat, der rasch die Feuerkraft unserer gut bewachten Forschungsflotte erkannte und das Weite suchte.«

»Du bliebst unverletzt??«

»Nur einmal ein Streifschuss, die Bande landete ihr brennendes Schiff mit Mühe, danach kam kein Pirat mehr auf Schussweite heran.«

»Was habt ihr erforscht, welche Menschen gefunden?«

»Es ist ein Wunder: Wir entdeckten ein Land umgeben von hohen und höchsten Bergen, bewohnt von Menschen, die friedlich leben mit ihren Tieren und sie unterhalten sich sogar mit ihnen! So wie Du und Galinka!«

»Hörst du, Galinka, sie entdeckten ein fernes Land, wo Menschen und Tiere mit einander sprechen!«

Galinka flog auf den Tisch: »Du sagst die Wahrheit? Sie können sich wirklich verstehen? Wir glaubten, einzigartig zu sein!«

»Was sagt sie so aufgeregt?« lachte Andrej.

»Galinka fasst es kaum, dass es andere Tiere und Menschen gibt wie sie und mich. Es klingt zu schön! Stell dir vor, wir wohnten da und brauchten unser Geheimnis nicht länger zu verstecken vor der Welt!!«

»Ach, Nadja, das Beste hab ich noch nicht erzählt: Ihr könnt wirklich dort hin! Diese Menschen sind ungewöhnlich heilkundig, es grenzt an Magie, so vereinbarten wir einen regelmäßigen Austausch: Bücher und Musik, unsere Malerei und vieles andere finden sie hochinteressant und freuen sich darauf, unsere Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Wissen vertraut zu machen - unter zwei Bedingungen:
Zum Einen errichten wir eine kleine, ständige Siedlung bei ihnen mit friedlichen Menschen, die bereit sind, dort viele Jahre zu leben, damit sie und wir uns kennen und vertrauen lernen.
Zweitens verzichten wir auf Dampfkrafttechnik, um ihren naturnahen Lebensstil nicht zu stören, und betreiben nur den einzelnen, kleinen Luftflugplatz in großem Abstand zu ihrer Stadt.«

»Welch märchenhafte Vorstellung! Galinka, wir könnten weg von hier, den Lärm hinter uns lassen und Menschen kennen lernen, die sind wie wir!«

Galinka ließ den Kopf hängen und gluckste fast unhörbar.

»Mein kleiner Schatz, warum so traurig, was hast du denn?«

»Ach, Nadja, wir würden Andrej verlassen, er war jetzt schon SO lange weg von uns!«

»Was sagt sie??«

Nadeshda sah ihren Bruder an, eine Träne im Auge: »Sie will nicht jahrelang ohne dich sein und ich will es auch nicht!«

»Oh Schwester, verzeih, ich hätte es gleich sagen sollen: Die Hanse war beeindruckt von meinem Dienst an Bord und sie lobte, dass ich rasch guten Kontakt zum fremden Volk fand. Die Leitung der Luftwache für die letzte Teilstrecke boten sie mir an, ich würde mit den Schiffen fliegen und wir könnten jeden Monat ein Wiedersehen feiern!«

Glücklich rief Nadja: »Wann geht es los?«

»In vierzehn Tagen schon können wir mit der ersten Gruppe aufbrechen! Sieh hier, im Hansespiegel suchen sie Leute, du wärest als Lehrerin willkommen.«

»Ach, wie schön, ich hätte nie gedacht, dass du so wunderbare Nachricht von der Fahrt mitbringst.« Sie stupste Galinka begeistert an: »Wir werden frei atmen können, keine Heimlichkeiten mehr - und Andrej sehen wir oft wieder!«

Galinka hüpfte ausgelassen zwischen ihnen hin und her, so froh wie selten. Sie feierten den Plan bei gutem Essen und einer Flasche Wein, die Andrej aus Hamburg mitgebracht hatte, bis sie müde und glücklich zu Bett gingen ...

Nadeshda träumte vom, trotz aller Freude doch sehr bewegenden, Abschied von der Heimat, als sie in Hamburg an Bord gingen, und von der aufregenden Zeit in der Ferne.

Schlafend murmelte sie halblaut:

»Mein Bruder, so rasch verging der erste Monat, nun bist du wieder bei uns«
»Schwesterherz, schau was ich hier habe, ein Kamerad kaufte das Heft in Hamburg.«
»Die Grüne Fee bringst du mit? Du hast fidele Ideen, wie kommst du darauf?«
Andrej schmunzelte:
»Sieh hinein! Sie fabulierten einen Bericht zu unserem Stützpunkt hier und loben besonders die tüchtige Lehrerin und ihre zauberhafte Henne!«


Leise lächelte Nadja im Schlaf ...
 
 

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