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26. November 2017
Genre und Wirklichkeit
oder auch: Keine Angst vor der Genre-Frage :)
 
»Bist du dir sicher bei der Genre-Zuordnung?« mahnt die freundliche Verlagslektorin.

»Welches Genre?? Bitte, frag' mich nicht!«

Du fabulierst munter drauf los und liebst Deine Geschichte von ganzem Herzen so, wie sie ist.

'Einfach nur schreiben' willst Du? Deiner Kreativität freien Lauf lassen, ohne Schubladendenken und künstliche Schranken?
Du kannst das tun, falls Dir die Welt relativ egal ist: Dein Werk wird durch eine so egozentrische Entscheidung nicht 'schlecht', es bleibt ja ein Dir wichtiger Text und für sich selbst zu schreiben, ist völlig OK.

Möchtest Du allerdings per Verlag publizieren und/oder viele Leserinnen und Leser erreichen, so sei realistisch:

Die meisten Verlage und sehr viele Suchende orientieren sich am Genre!

Verlage und Buchhandlungen präsentieren nach Genre sortiert und Leseratten stöbern gezielt. Wer Krimis mag, forscht dort nach Neuem, auf der Jagd nach Fantasy saust Du lächelnd am SciFi-Regal vorbei - und umgekehrt ;) - und Kinderbuchgeschenke sucht niemand beim Horror.

Zwei Seelen wohnen, ach! in Deiner Brust??

Entscheide: Dieses Genre passt schwerpunktmäßig am besten!

Das Genre bestimmt ja die Richtung für Verlag und Lesefreudige. Oft wird es Nebengenres geben: So wie ein Liebesbrief in erster Linie ein Brief ist, der allerdings lockend nach Liebe ruft, wirst Du als Steampunk-Krimi einen KRIMI schreiben ... und die Lesenden zugleich durch Steampunk-Elemente und -Atmosphäre verzaubern.

Hast Du das Genre (und ggfs. das Nebengenre identifiziert), so verbinde es ab jetzt deutlich sichtbar mit Deinem Werk, Du sorgst für Klarheit und gewinnst fröhliche Fans.

»Was, wenn ich Kurzgeschichten verschiedener Genres schreibe?«

Ersinne immer MEHR davon und bringe sie in mehreren Büchern heraus, ein Band mit interessanten SciFi Stories, eine coole Grusel-Sammlung, eine schöne Fantasy-Anthologie, eine mit zauberhaften Liebesgeschichten ... Schließlich wirst Du so bekannt und beliebt sein, dass Du ganz lässig alle Genrefragen ignorieren und einen Band herausbringen kannst, in dem Du Deine schönsten Geschichten munter mischst:

Eliza Mirabilia - Basar der Erzählungen

:)


»Ach, nee, ich will das nicht, mich interessieren Genres echt nicht!!«

In dem Fall mein einfacher Rat: Lüge, dass sich die Balken biegen!

Mach's wie einige der größten Kurzgeschichten-Autoren, wie Theodore Sturgeon und Ray Bradbury: Tue so, als ob!

Geh dem Literaturbetrieb weit genug entgegen, um verlegt zu werden, doch bleib Deiner Idee treu und schreibe Dein Werk!
Du willst wunderbar über Menschen sprechen? Reichere die Geschichten z.B. mit Fantasy- oder SciFi-Motiven an und denke an stimmiges World Building, auch wenn es Dir im Grunde um Anderes geht! Passe Dich augenzwinkernd an: Die Qualität Deiner menschlichen Geschichte entscheidet! Sei immer lieb, wenn Rezensierende Dich vielleicht als »grandiose Fantasy-Autorin« loben und lass die Leute in ihrem Glauben. Es tut ihnen und Dir nicht weh und Du kannst die Geschichten Deines Herzens erzählen!
Du möchtest Dich sehr kritisch äußern und siehst im Grunde keine Hoffnung für uns Menschen? Schreibe eine gnadenlose Dystopie, zerre am Herz der Lesenden, wenn Du die Protagonisten opferst, um gegenüber Deinem eigenen Herzen ehrlich zu bleiben. Sie werden erschüttert sein und beeindruckt!

Die Verlage wollen einfache Antworten in Form einer Genre-Zuordnung, mach es ihnen leicht!

Die Menschen lieben ein bestimmtes Genre, biete es ihnen achselzuckend, doch bleibe nicht dabei stehen, sondern nimm das Genre als Rahmen, der Deine eigentliche Geschichte präsentiert!

Der Verlag fragt Dich nach dem Genre,
doch die wichtigere Frage ist:

Welche Geschichte liegt Dir am Herzen? Was willst Du erzählen?


Zur Erklärung und hierarchischen Strukturierung der einzelnen (Sub-)Genre machten sich viele Leute viele Gedanken, die sich teilweise widersprechen, denn Genre-Begriffe und -Systeme sind ja keine Naturgesetze sondern von Menschen vorgenommene Einteilungen.

Sehr interessant finde ich die große Arbeit der Schriftstellerin Mara Laue, die ja selbst in mehreren Genres zuhause ist:

  Große (Sub-)Genre-Liste von Mara Laue  

(Beim Blättern in der Liste stört ein kleiner Layoutfehler: Vor Maras (arabisch nummerierten) Hauptgenres fehlt oft die Leerzeile, so dass Du sie bei rascher Durchsicht leicht übersiehst. Dennoch mag ich die Liste sehr - abgesehen von ihrem mir persönlich zu engen, da rein historisch verstandenen Begriff »Phantastik« - und finde sie auch wegen der Erklärungen zu den einzelnen (Sub-)Genres sehr nützlich.)

Die deutschsprachige »Phantastik« sehe ich, so wie der Buchmesse Convent, als übergeordneten Begriff, es heisst dort so schön: »Unsere Autoren publizieren Fantasy ebenso, wie Science Fiction und gepflegten Grusel.«

  Web Site des Buchmesse Convents  

:)

Lieben Gruß
Dein Karl-Heinz
 
 

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